Die aktuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie führen in vielen Teilen der Wirtschaft zu einer prekären Situation. Dennoch ist im Zusammenspiel mit den staatlichen Maßnahmen eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Experten zu Folge steht jedoch zu befürchten, dass die aktuell vorliegenden Zahlen nicht die tatsächliche Situation widerspiegeln. Dieses lässt vermuten, dass die Anzahl der Insolvenzen in den kommenden Monaten stark steigen wird. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet damit, dass die Insolvenzwelle im ersten Quartal 2021 losgeht.

    Herausforderungen bei Anfechtungsprüfungen in Insolvenzverfahren

    Die Herausforderung für Insolvenzverwalter besteht daher darin, dass die häufig ohnehin schon stark beanspruchten Mitarbeiter potentiell mit noch mehr Dokumentenmaterial zu tun haben werden.

    Insbesondere bei den Anfechtungsprüfungen in Insolvenzverfahren ist es bislang in vielen Fällen so, dass die Schuldner keine Finanzbuchhaltung haben, diese nicht bis zuletzt geführt wurde oder lückenhaft ist. Hier müssen in der Folge die Bank-, Kassen- und Buchhaltungsordner leider viel zu häufig manuell durchgesehen und (anfechtungs-)auffällige Belege und Zahlungen händisch in Exceltabellen erfasst werden, um den Krisenzeitraum (z.B. Eintritt Zahlungsunfähigkeit) zu identifizieren und die Anfechtungstatbestände zu dokumentieren.

    Ähnliche Ineffizienzen bestehen erfahrungsgemäß auch bei der Verarbeitung von Posteingängen und Anmeldungen zur Forderungstabelle.

    Innovative Lösungsansätze

    Dunkelverarbeitung in Versicherungen mit KI

    Um sich hierauf frühzeitig vorzubereiten, investieren Insolvenzverwalter zunehmend in Technologie und Software. Möchten Sie ebenfalls erreichen, dass die durchzusehenden Ordner zunächst digitalisiert (d.h. maschinenlesbar gescannt), anschließend einfach nach bestimmten Mustern (z.B. Zahlungen an betroffene Gesellschafter) durchsucht und zusammengehörige Vorgänge (z.B. Rechnungen. Mahnungen und Zahlungen) automatisch gruppiert werden können? Diese können dann dem weiteren fachlichen Verarbeitungsworkflow zugeführt werden. Im Ergebnis vermeiden Sie so die Vergeudung der Arbeitszeit hoch qualifizierter Mitarbeiter durch wenig wertschöpfendes Durchsuchen und Abtippen von Belegen.

    Konkrete Mehrwerte durch Digitalisierung und KI

    Insbesondere die Nutzung Künstlicher Intelligenz verspricht, hier in Bezug auf Anpassungsfähigkeit und damit kürzeren Umsetzungszeiträumen und höherer Flexibilität einen entscheidenden Mehrwert zu bieten. Denn mit der Anwendung Maschinellen Lernens lassen sich ganze Aktenordner – ohne Programmieraufwand – schnell und einfach sortieren, strukturiert durchsuchen, inhaltlich auswerten, besser wiederfinden und zielgerichtet zuordnen. Folgende Verarbeitungsschritte und Mehrwerte erleichtern konkret Ihre tägliche Arbeit:

    • Import: Digital eingehenden Dokumente und Formulare vom Gläubiger werden auf Konsistenz geprüft und in das richtige Format für die Weiterverarbeitung überführt. Optional werden physisch übermittelte Unterlagen vorher gescannt.
    • Texterkennung: Die Texte (Zeichen und Worte) der eingegangenen Dokumente werden vollautomatisch erkannt, um diese maschinenlesbar und durchsuchbar zu machen. Vorverarbeitungsschritte optimieren die Erkennungsleistung.
    • Strukturierung: Die eingegangenen Belege werden nach optischen und textuellen Merkmalen einer Belegart (bspw. Rechnung, Mahnung, etc.) zugeordnet. – Auch große, komplexe Dokumentenbestände können einfach und schnell strukturiert werden. 
    • Extraktion und Indizierung: Relevante Informationen (z.B. kaufmännische Attribute) werden automatisch erkannt und in einem strukturierten Format bereitgestellt. Diese können auch für Indizierung und Zuordnung z.B. zu Gläubigern genutzt werden.
    • Export und Bereitstellung: Alle so gewonnenen Informationen können den Beteiligten bzw. für existierende IT Systeme (z.B. winsolvenz oder DMS wie LEXolution) in der gewünschten Form bereit gestellt werden.

    So erreichen Sie eine massive Erleichterung – nicht nur durch die durchgängige Digitalisierung Ihrer Prozesse, sondern auch durch die automatische, intelligente Anreicherung und Verarbeitung von Dokumenten.

    Fazit

    Im Austausch mit vielen Marktteilnehmern haben sich die genannten Potentiale gezeigt, aber auch noch zu überwindende Einstiegshürden.

    Wir sind davon überzeugt, dass sich im Rahmen eines Gespräches auch noch viele weitere Anknüpfungspunkte für den Einsatz von KI bei Ihnen finden lassen.

    Für Fragen, Anmerkungen oder ein Feedback zum Artikel freuen wir uns auch über eine E-Mail.

    Gerne stehe ich Ihnen bei Fragen rund um den Einsatz von KI für die digitale Anfechtungsprüfung in Insolvenzverfahren zur Verfügung. Sprechen Sie mich hierzu gerne an oder vereinbaren Sie einen kurzfristigen Beratungstermin!

    Ben Peters

    Geschäftsbereichsleiter